Parteigeschichte
Die CDU in Brandenburg von 1945 bis 1952

Der sowjetische Befehl vom 10. Juni 1945 zum Aufbau „antifaschistischer Parteien“ in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) unterstellte alle Parteien ausdrücklich der Kontrolle und den Weisungen der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD).

Auch durch die verordnete Einbindung aller Parteien in die rasch von der SED (21./22. April 1946 Vereinigung von SPD und KPD zur SED) beherrschte und kontrollierte „Einheitsfront der antifaschistisch-demokratischen Parteien“ zeigte sich, dass eine wirklich freie politische Entfaltung der CDU im Osten Deutschlands von Anfang an nicht möglich und von den Sowjets auch nicht gewollt war.

Erwin Trautmann, der Ende Januar 1946 auf einer Werbereise für die CDU in den Kreisen Oberbarnim und Lebus unterwegs ist, berichtete von massiven Behinderungen bei Ortsgruppengründungen der Union: „Der Terror der KPD-Bürgermeister ist in allen Orten, die ich besucht habe, ein vollständiger, mit Ausnahme in der Gemeinde Neuhardenberg. Die Bauern sind sehr verängstigt und haben sich zum Teil in die KPD durch Bedrohungen pressen lassen. (…) Man kann von einer absoluten und sehr ernsten Beeinträchtigung der Gründung unserer Partei in den einzelnen Gemeinden sprechen. Die Bürgermeister bedienen sich dabei vor allen Dingen der Roten Armee und verleihen ihren Aufforderungen stets damit Nachdruck, indem die deutschen Menschen mit Verhaftung durch die Russen bedroht werden; die Einschüchterung der Deutschen in den von mir besuchten Gemeinden ist als total zu bezeichnen.“

Die Absetzung der ersten Vorsitzenden der CDUD, Andreas Hermes und Walther Schreiber, durch die SMAD bereits im Dezember 1945 – sie hatten sich gegen die rechts- und gesetzlosen Enteignungen in der SBZ, die so genannte „Bodenreform“, zur Wehr gesetzt – machte einmal mehr klar, dass die Sowjets den bürgerlichen Parteien keine wirkliche Unabhängigkeit zugestehen wollten.

Die Geschichte der CDU Brandenburg Andreas Hermes Mitbegründer der CDU in Berlin und der SBZ Erster Vorsitzender der CDUD Alles lief darauf hinaus, durch Verdrängung der demokratischen Parteien, durch Besetzung der Schaltstellen in der öffentlichen Verwaltung mit moskautreuen Kräften sowie durch radikale Verstaatlichung nach sowjetischem Muster, ein kommunistisches System in der SBZ zu errichten.

Gegen diese Bestrebungen versuchten CDU-Politiker unter hohem persönlichen Risiko und unter Inkaufnahme persönlicher Benachteiligungen den Weg der Selbstbehauptung und des Widerstandes zu gehen.

Jakob Kaiser: „Wir müssen und wir wollen Wellenbrecher des dogmatischen Marxismus und seiner totalitären Tendenzen sein.“ 

Wilhelm Wolf: „Wir müssen in Ostdeutschland die Entwicklung mitgestalten und dürfen nicht in den Blockparteien versinken.“

Der Diktatur setzten sie das aktive Bekenntnis zur Demokratie entgegen, der Spaltung Deutschlands das klare Bekenntnis zur Einheit in Freiheit. Es ging ihnen um elementare Freiheitsrechte, um Menschenwürde – so wie sie 1949 im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland festgeschrieben wurde.

Trotz des enormen Drucks und der Einschüchterungen durch die Sowjets gelang es der CDU, überall im Land Erfolge zu erzielen und für die Menschen da zu sein, was die Wahlergebnisse eindrucksvoll belegen.

Ergebnis der Landtagswahlen in der SBZ vom 20. Oktober 1946 in Prozent der gültigen Stimmen und Sitzverteilung für die drei größten Parteien

Wahlergebnis                    CDU           LDP         SED
Brandenburg                      30,6        20,6            43,9
Sachsen                              23,3        24,7            49,1
Sachsen-Anhalt                 21,8        29,9            45,8
Thüringen                           18,9         28,5            49,3
Mecklenburg                      34,1        12,5             49,5
SBZ                                      24,5        24,6             47,6

Sitzverteilung                   CDU           LDP          SED
Brandenburg                      31           20                 44
Sachsen                              28           30                 59
Sachsen-Anhalt                 24           32                 51
Thüringen                           19           28                 50
Mecklenburg                      31           11                 45
Insgesamt SBZ                133         121              249

Einen Monat zuvor – am 15. September 1946 – fanden in Brandenburg Gemeindewahlen statt, die schwere Benachteiligungen für die CDU mit sich brachten.

Dazu Peter Bloch in seinen Erinnerungen: „Am 19. Juni 1946 ordnete die SMAD Gemeindewahlen an. Am 28. Juni folgte die Veröffentlichung der Wahlordnung. Danach sollte die Wahl durchaus nach demokratischen Regeln erfolgen: direkt, geheim und nach dem Verhältniswahlrecht. Der Pferdefuß aber steckte in der Bestimmung, dass Wahlvorschläge nicht nur von den Parteien, sondern auch von ‚antifaschistisch-demokratischen’ Organisationen aufgestellt werden könnten, denn die waren durchweg kommunistisch unterwandert. Der zweite Pferdefuß der Wahlordnung – und der erwies sich für die CDU als viel schwerwiegender – war, dass Wahlvorschläge nur von den örtlichen Organisationen der Parteien aufgestellt werden durften. Das hieß im Klartext: Gab es in einem Dorf keine Ortsgruppe der CDU, so durfte kein Wahlvorschlag – etwa vom Kreisverband – aufgestellt werden. Es konnten also in dem Ort keine Stimmen für die CDU abgegeben werden.“

Für die CDU Brandenburg bedeutete dies faktisch eine Nichtregistrierung von 328 der 673 Ortsgruppen. Behinderungen und Willkür durch die sowjetische Besatzungsmacht gab es auch bei der Zuteilung von Papier für Zeitungen und Wahlplakate.

Obgleich die CDU in Potsdam 40 Prozent der Stimmen bekam und stärkste Partei wurde, durfte sie nur den Bürgermeister stellen. Den Oberbürgermeister stellte die SED.

Wilhelm Pieck (erst Mitglied der SPD, dann KPD, später der SED) hatte bereits auf der 1. Reichskonferenz der KPD, Anfang März 1946, die Katze aus dem Sack gelassen, als er sagte: „Wahlen ja – aber so, dass überall Arbeiter-Mehrheiten entstehen!“

Diese Politik wurde zunehmend verschärft. So rief Walter Ulbricht (der spätere SED-Generalsekretär) im Mai 1949 zum „revolutionären Kampf“ gegen die „bürgerlichen“ Parteien auf.

Nach der Gründung der DDR im Oktober 1949 verschärften die Sowjets und die SED die Repressionen gegen Politiker der CDU weiter. Christdemokraten, die den kommunistischen Führungsanspruch und die unfreien Wahlen mit den „Einheitslisten der Nationalen Front“ kritisierten, wurden verhaftet, verurteilt, deportiert, zur Resignation veranlasst oder zur Flucht in den Westen getrieben.

Die CDU war die konsequenteste, nach der Vereinigung von KPD und SPD zur SED im April 1946 die größte und wirksamste antikommunistische Kraft in Brandenburg.